KAFKAS LETZTE TAGE

Ein Podcast in 53 Folgen
 

Die letzten 46 Tage seines Lebens verbrachte Franz Kafka in einem kleinen Sanatorium in Kierling bei Klosterneuburg. Seine Lebensge- fährtin Dora Diamant war bei ihm, und später auch der befreundete Medizinstudent Robert Klopstock. Die Zeit ist von Kafkas tödlicher Krankheit, der Kehlkopftuberku- lose, geprägt, aber auch von intensivem Austausch mit Familie, Freunden und Freundinnen, von Erinnerungen und Alltagsbeobachtungen, literarischen Vorhaben sowie Hoffnung und Verzweiflung.

Von Sonntag, 14. April 2024 bis Mittwoch, 5. Juni 2024 wird die Geschichte dieser letzten Zeit Kafkas, anhand von historischen Briefen und Erinnerungen, erzählt. Ein Tag nach dem anderen, exakt 100 Jahre später, in etwa 5-minütigen Beiträgen.

Abrufbar täglich: hier unter PODCAST auf www.franzkafka.at, Literadio, dem Blog der ÖGfL sowie auf allen Plattformen für Podcasts wie Spotify etc.


SPRECHER*INNEN:
Franz Kafka: Robert Stadlober
Dora Diamant: Julia Franz Richter
Erzähler: Nikolaus Kinsky

• 53 Donnerstag, 5. Juni 1924
        Epilog

Kafkas Freundinnen und Freunde blieben nach seinem Tod mit seiner Familie in Kontakt. Auch Dora, die noch einige Wochen bei seinen Eltern in Prag verbrachte, hielt den Briefverkehr mit den Kafkas aufrecht.

• 52 Mittwoch, 4. Juni 1924
        Von Kierling nach Prag

Nach Kafkas Tod reisten Kafkas Onkel Siegfried Löwy und sein Schwager Karl Hermann nach Kierling, um in bürokratischen Dingen zu helfen. Kafkas Leichnam wurde auf Doras Wunsch nach Prag überführt und dort am 11. Juni im Neuen Jüdischen Friedhof beigesetzt. Die Beerdigung war klein, es folgten zahlreiche Nachrufe.

• 51 Dienstag, 3. Juni 1924
        Kafka stirbt

Es ist meist trocken, nur vereinzelt gibt es Regenschauer. Es bleibt kühl, die Temperaturen steigen von morgendlichen 15 auf 19 Grad an.

Um Franz Kafkas letzte Stunden ranken sich viele Gerüchte, etwa, dass er danach verlangt, in Ruhe sterben zu dürfen. Klar ist, dass zum Zeitpunkt seines Todes Dora Diamant und Robert Klopstock bei ihm sind.

 

• 50 Montag, 2. Juni 1924
        Letzter Brief an die Eltern

Es regnet immer wieder leicht, ist aber warm, die Temperatur steigt deutlich über 20 Grad.

An diesem 2. Juni schreibt Kafka seinen letzten und zugleich einen der längsten Briefe an seine Eltern. Am Ende muss Dora Kafkas Schreiben unterbrechen. Dieser Umstand und der Inhalt des Briefes bezeugen Kafkas Erschöpfung.

• 49 Sonntag, 1. Juni 1924
        Todesangst

Der Juni beginnt trocken und sehr warm, die Tageshöchsttemperaturen liegen bei fast 27 Grad.

Kafkas Leben neigt sich dem Ende zu. Unklar ist, ob er an diesem 1. Juni weiß, wie bald er sterben wird. In seinen bereits Jahre zuvor angefertigten Testamenten bittet er Max Brod, nach seinem Tod all seine unveröffentlichten Texte ausnahmslos zu verbrennen.

• 48 Samstag, 31. Mai 1924
       Hoffnungslosigkeit

Ende Mai geht es Franz Kafka immer schlechter. Er ist hoffnungslos, schmerzmittelabhängig und muss künstlich ernährt werden. Auf die ständigen Nachfragen ob seines Zustands von Seiten der Familie weiß Robert Klopstock keine befriedigende Antwort.

• 47 Freitag, 30. Mai 1924
        Kafkas Träume

Ein sonniger, trockener Tag, mit frühsommerlichen Temperaturen über 20 Grad.

Kafka schrieb seine Träume jahrelang in Briefen oder Tagebüchern auf und zog die darin vorkommenden Motive für literarische Texte heran. Auch im Sanatorium träumt Kafka, notiert seine Träume und spricht über sie, zur literarischen Verwertung fehlt jetzt jedoch die Gelegenheit.

• 46 Donnerstag, 29. Mai 1924
        Erinnerungen von Dora Diamant

Dora Diamant, die bereits in Berlin für Kafka sorgte, kümmert sich mit großer Hingabe um den Todkranken. Auch ist sie diejenige, die in Kierling seine Belange organisiert – und Entscheidungen trifft.

• 45 Mittwoch, 28. Mai 1924
        Medikamente

In seiner letzten Lebenswoche erhält Kafka kaum noch Besuch, weder von Familie und Freunden, noch von den Wiener Spezialisten. Robert Klopstock übernimmt die alleinige ärztliche Betreuung, deren Ziel zu diesem Zeitpunkt nur noch Schmerzlinderung ist.

• 44 Dienstag, 27. Mai 1924
        Max Brod und Franz Kafka

Es regnet stark, bei Temperaturen zwischen 11 und 16 Grad.

Am 27. Mai feiert Max Brod seinen 40. Geburtstag. Auch Kafka denkt daran und notiert den Tag in den Gesprächsblättern.

• 43 Montag, 26. Mai 1924
        Verzweiflung und Unsicherheit

Das Wetter hatte sich verschlechtert, bei starkem Regen erreichten die Temperaturen kaum mehr als 15 Grad.

Ende Mai macht sich Verzweiflung in Kafka breit. Während in den Briefen an die Eltern noch gescherzt wird, zeugen vor allem die Gesprächsblätter von seiner Unsicherheit. Der Umstand, dass Kafka mittlerweile künstlich ernährt werden muss, verstärkt seine Sorgen.

• 42 Sonntag, 25. Mai 1924
        Felice Bauer, die doppelte Verlobte

In seinen letzten Tagen in Kierling denkt Kafka an manch alte Bekanntschaft, so auch an seine ehemalige Verlobte Felice Bauer. Davon zeugen einige Notizen aus den Gesprächsblättern. 

• 41 Samstag, 24. Mai 1924
        Kafkas Lektüren

Es ist ein warmer, sonniger Tag mit Temperaturen bis zu 23 Grad.

Während Kafka Dora Diamant noch ein Jahr zuvor in Berlin regelmäßig laut vorlas, verlangt ihm das Lesen jetzt viel Kraft ab. Trotzdem hört er damit nicht auf: Wie immer liest er neben Büchern auch Zeitschriften sowie Zeitungen und erfreut sich an jedem Buchpaket.

• 40 Freitag, 23. Mai 1924
        Kafkas Beziehung zur Mutter

Kafkas Verhältnis zu seiner Mutter war zwar von einzelnen Konflikten durchzogen, seine Tagebucheinträge und die vielen Briefe aus dem Sanatorium, sowohl von Kafka als auch von Dora Diamant und Robert Klopstock, zeugen jedoch von einer innigen Beziehung.

• 39 Donnerstag, 22. Mai 1924
        Briefe an den Vater

Kafkas Verhältnis zu seinem Vater war stets ambivalent. In seinem berühmten »Brief an den Vater« entwirft er diesen als tyrannisches Feindbild und auch in einer Schilderung an Felice Bauers Vater wird eine distanzierte familiäre Situation dargestellt. Die Briefe aus dem Sanatorium skizzieren ein gegensätzliches, vertrauteres Bild.

• 38 Mittwoch, 21. Mai 1924
        Milena Jesenská

Im Mai erhält Kafka Besuch von seiner in Wien lebenden Freundin Milena Jesenská. Die Journalistin und Schriftstellerin wandte sich 1919 erstmals an Kafka, da sie seine Texte übersetzen wollte. Aus einem intensiven Briefwechsel entwickelte sich eine Liebesbeziehung und schließlich eine Freundschaft.

• 37 Dienstag, 20. Mai 1924
        Der letzte Brief an Max Brod

Es gibt immer wieder kurze Schauer, die Tageshöchsttemperaturen erreichen sommerliche 26 Grad.

An diesem 20. Mai schreibt Kafka den letzten Brief an seinen Freund Max Brod. Darin bedauert er seine Trübseligkeit bei Brods Besuch im Sanatorium acht Tage zuvor.

• 36 Montag, 19. Mai 1924
        Das Leben zu dritt

Das Zusammenleben im Sanatorium gestaltet sich harmonisch. Während sich Dora Diamant und Robert Klopstock gemeinsam um Kafka kümmern, spenden sie sich gegenseitig Trost. Die Korrespondenzen zeugen wiederholt von der innigen Beziehung der drei.

• 35 Sonntag, 18. Mai 1924
        Behandlungen und Ohnmacht

Mit Dr. Glas zieht Dora Diamant einen weiteren Arzt zur Behandlung von Kafkas Tuberkulose hinzu; dieser tauscht sich mit Dr. Hajek, dem Leiter der Laryngo-rhinologischen Klinik, aus. Gemeinsam beratschlagen die Ärzte eine erneute Verlegung Kafkas nach Wien.

• 34 Samstag, 17. Mai 1924
        Vermeintliche Hoffnung

Mitte Mai befindet sich Kafka scheinbar auf dem Weg der Besserung: Er hustet nicht mehr so stark und seine Schlafqualität verbessert sich; außerdem sinkt sein Fieber. Doch die beiden Ärzte Dr. Glas und Dr. Hajek, die an diesem Samstag nach Kierling kommen, stellen Gegenteiliges fest.

• 33 Freitag, 16. Mai 1924
        Kafkas Trinkerherz

Kafka schmerzt das Trinken, aber vor allem das Essen. Zunehmend ersetzt er feste Speisen durch Milch und verdünntes Joghurt oder ergänzt sie um einen Krug Bier. Er erfreut sich auch an gutem Wein; oft muss er sich jedoch damit begnügen, dass andere ihn an seiner Stelle trinken.

• 32 Donnerstag, 15. Mai 1924
        Korrespondenzen

Die Temperaturen liegen zwischen 13 und 24 Grad, es bleibt trocken.

Es steckt ein System hinter den Briefen, die vom Sanatorium aus verschickt werden. So empfangen Kafkas Eltern beschönigende Nachrichten, während seine Schwestern über seinen tatsächlichen Gesundheitszustand informiert werden. Zugleich enthalten Doras Briefe Informationen, die Kafka vorenthalten werden sollen.

• 31 Mittwoch, 14. Mai 1924
        »Ein Hungerkünstler«

Es ist ein warmer Frühlingstag im Mai, die Temperaturen steigen auf bis zu 24 Grad.

Schon seit längerem wartet Kafka in Kierling auf die Druckfahnen seines Erzählbands »Ein Hungerkünstler«. Nach Drängen Brods erhält er Mitte Mai den ersten Fahnenabzug von der Druckerei und macht sich daran, die enthaltenen Erzählungen zu korrigieren.

• 30 Dienstag, 13. Mai 1924
        Kafkas Vegetarismus

Es bleibt trocken und wird wärmer: Die Temperaturen steigen bis 21 Grad.

Im Sanatorium kocht Dora Diamant für Kafka, der sich schon seit Beginn der 1910er Jahre überwiegend fleischlos ernährt. Das war nicht immer einfach, denn vielerorts gab es keine vegetarische Gerichte auf der Speisekarte.

• 29 Montag, 12. Mai 1924
        Max Brod

An diesem Montag bekommt Kafka Besuch von seinem guten Freund Max Brod. Der Anlass ist kein guter: Kafka geht es sowohl gesundheitlich als auch mental immer schlechter. Er braucht die Stütze seiner engsten Freunde, zu denen neben Brod u.a. auch Oskar Baum und Felix Weltsch zählen.

• 28 Sonntag, 11. Mai 1924
        Siegfried Löwy

An diesem Sonntag erhält Kafka Besuch von seinem Onkel Siegfried Löwy, zu dem er ein enges Verhältnis hat. In seiner Kindheit verbrachte Kafka die Sommerferien bei Löwy, einige Monate zuvor hatte ihn dieser in Berlin besucht und an das Sanatorium ›Wienerwald‹ verwiesen. Von nun an wird er Kafka öfter besuchen.

• 27 Samstag, 10. Mai 1924
        Alltag im Sanatorium

Der Alltag im Sanatorium ist von Arztbesuchen und erzwungenen Mahlzeiten geprägt. Kafka ist meist niedergeschlagen, in seltenen Fällen aber auch übermütig. Sowohl Dora Diamant als auch Robert Klopstock sind ihm eine große Unterstützung.

• 26 Freitag, 9. Mai 1924
        Der Antrag

Es regnet etwas weniger, die Temperaturen sinken jedoch stark ab und liegen bei 6 bis 11 Grad.

Bevor Kafka Dora Diamant kennenlernte, war er bereits dreimal verlobt. Nun plant er, Dora zu heiraten. Auch die Umgebung im Sanatorium drängt auf eine baldige Hochzeit. Kafka schreibt einen Brief an Doras streng gläubigen Vater. Eines steht fest: ohne dessen Segen wird er sie nicht heiraten.

• 25 Donnerstag, 8. Mai 1924
        »Das Wetter, das Wetter! Aber wir wollen nicht klagen.«

In den ersten Tagen im Sanatorium war das Wetter kalt und nass. Den in den Prospekten angepriesenen Balkon mit der schönen Aussicht kann Kafka erst ab Mitte Mai so richtig nutzen, als das Wetter langsam besser wird und die Temperaturen steigen.

• 24 Mittwoch, 7. Mai 1924
        Kafkas Konstitution vor der Tuberkulose

Vor seiner Erkrankung war Kafka sehr sportlich. So wanderte er viel und gerne, spielte Tennis und ritt. Kafka besaß ein eigenes Ruderboot und besuchte bereits als Kind die Schwimmschule. Daneben übte er das sogenannte »Müllern« aus, eine spezifische Art der Gymnastik. Dem geschwächten Kafka sind jetzt, im Sanatorium, sogar Spaziergänge zu anstrengend.

• 23 Dienstag, 6. Mai 1924
        Robert Klopstocks Ankunft

Am 6. Mai kommt Robert Klopstock in Kierling an und bezieht ein Zimmer im Sanatorium. Die Anreise des befreundeten Medizinstudenten stand schon länger im Raum und wird von Franz Kafka und Dora Diamant gut aufgenommen. Von nun an kümmert sich auch Klopstock um Kafka.

• 22 Montag, 5. Mai 1924
        Ein reger Austausch zwischen Kierling und Prag

Es fällt mäßiger Regen und es kühlt ab, Temperaturen zwischen 10 und 12 Grad.

Die Kommunikation mit Freunden und Verwandten geschieht vor allem über Briefe; telefoniert wird selten und Besuche im Sanatorium wehrt Franz Kafka ab. Ab Mai übernimmt Dora Diamant den Großteil von Kafkas Briefverkehr. In den Briefen an die Eltern beschönigt sie weiterhin seinen Gesundheitszustand.

• 21 Sonntag, 4. Mai 1924
        Trinken

Das Wetter wird ein wenig besser, es ziehen nur vereinzelt Schauer auf, Temperaturen zwischen 10 und 17 Grad.

Das wiederkehrende Thema ›Trinken‹ bestimmt Franz Kafkas Alltag im Sanatorium. Besonders aus den Gesprächsblättern geht hervor, wie schwer ihm die Aufnahme von Wasser, Milch, aber auch Wein oder Bier fällt. Franz Kafka schaut mit verklärtem Blick auf eine Zeit zurück, in der er noch mühelos trinken konnte.

• 20 Samstag, 3. Mai 1924
        Eine fatale Nachricht

Ein weiterer verregneter Frühlingstag in Kierling, die Temperaturen erreichen 7 bis 18 Grad.

Kafkas Befinden verschlechtert sich, Dr. Oscar Beck, Facharzt für Ohren-, Nasen-, und Kehlkopfleiden, informiert Kafkas Freund Felix Weltsch in einem Brief über dessen aussichtslosen Gesundheitszustand und empfiehlt Kafkas Überführung nach Prag. Dora erhält den gleichen Rat. Sie ist sich jedoch unsicher, ob dies der richtige Schritt ist.

• 19 Freitag, 2. Mai 1924
        Elli Hermannová, geb. Kafka

Mäßiger Regen, es bleibt kühl, die Temperaturen liegen zwischen 9 und 14 Grad.
 
Elli, drei Jahre älter als ihre Schwester Ottla, war ebenfalls eine enge Vertraute Kafkas. Obwohl Dora Diamant sie nicht gut kennt, wendet sie sich an diesem 2. Mai mit der Bitte um Geld an sie. Die Ärzte und Behandlungen sind teuer und Dora kann sich keine Zurückhaltung mehr leisten.

• 18 Donnerstag, 1. Mai 1924
        Ottla Davidová, geb. Kafka

Beständiger Nieselregen, die Tagestemperaturen liegen zwischen 8 und 14 Grad.
 
Da es für den kranken Kafka zu anstrengend geworden ist, wendet sich Dora Diamant in mehreren Briefen aus dem Sanatorium an seine jüngere Schwester Ottla. Dora informiert Kafkas Lieblingsschwester nicht nur über dessen Zustand, sondern schildert auch ihre eigenen Sorgen, weil sie diese Kafka gegenüber nicht zugeben kann. Auch für Dora ist Ottla, eigentlich Ottilie, inzwischen zur Vertrauten geworden.

• 17 Mittwoch, 30. April 1924
        Pfingstrosen

Anhaltender Regen bei Temperaturen zwischen 8 und 13 Grad

Kafkas Liebe zur Natur bleibt nicht auf den Garten beschränkt. Auch der Pflege der Schnittblumen widmet er sich hingebungsvoll, denn diese kann er auch vom Bett aus bewundern. Aus den Gesprächsblättern lassen sich Anweisungen zur richtigen Behandlung, Überlegungen zu passenden Arrangements und Sympathien gegenüber bestimmten Blumen herauslesen

• 16 Dienstag, 29. April 1924
        Die Liebe zur Natur

Regen, bei Temperaturen von 9 bis 15 Grad

Im Grünen fühlt Kafka sich besonders wohl. Seine Wohnorte sind stets von Gärten und Grünflächen umgeben, die ihn nicht nur zum Sonnen, sondern vor allem auch zum Gärtnern anregen. Auch das Sanatorium in Kierling hat einen eigenen Garten. Das Gärtnern, möglicherweise sogar der Aufenthalt im Garten, bleiben Kafka dort jedoch verwehrt.

• 15 Montag, 28. April 1924
        Franz Werfel

Schauer, bei Temperaturen von 10 bis 18 Grad

Kafka versucht im Sanatorium weiterhin zu lesen, auch wenn es ihm schwerfällt. Auf ein Werk freut er sich besonders: den neuerschienenen Roman »Verdi. Roman der Oper« von Franz Werfel, den er einige Tage zuvor als Paket erhalten hat und der ihn in den folgenden Wochen begleiten wird.

• 14 Sonntag, 27. April 1924
        Der Schriftsteller Franz Kafka

Schauer, Nieselregen, es wird deutlich kühler, die Temperaturen liegen zwischen 11 und 15 Grad.
 
An diesem Tag erhält Kafka ein willkommenes Paket des Verlags ›Die Schmiede‹, welches zusätzlich zu einigen Büchern auch einen Honorarvorschuss für Kafkas Erzählband »Ein Hungerkünstler« enthält. Dieser soll demnächst erscheinen und wird das erste Buch Franz Kafkas sein, das ohne die Beteiligung des Verlegers Kurt Wolff entsteht.

• 13 Samstag, 26. April 1924
        Alternative Behandlungsmethoden

Um alle Möglichkeiten für Franz Kafkas Behandlung auszuschöpfen, möchte Dora Diamant auch einen Naturheilkunde-Arzt zur Behandlung hinzuziehen, was jedoch vom Sanatorium abgelehnt wird. Kafka selbst ist gegenüber alternativen Behandlungsmethoden nicht abgeneigt. 1911 besuchte er etwa zusammen mit Max Brod einen Vortragszyklus von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie.

• 12 Freitag, 25. April 1924
        Ärzte und Behandlungen

Erstmals seit Kafkas Ankunft im Sanatorium zieht der Frühling ein. Es ist trocken und sonnig, bei Temperaturen von fast 22 Grad.

Dora Diamant kümmert sich um Franz Kafkas ärztliche Betreuung durch renommierte Fachärzte aus Wien, die nach Kierling ins Sanatorium kommen. Insgesamt sind es zumindest sieben Ärzte und ein Medizinstudent, die Kafka in den nächsten Wochen im Sanatorium Hoffmann behandeln werden.

• 11 Donnerstag, 24. April 1924
        Die Gesprächsblätter

Ein kalter Tag, es regnet immer wieder, die Temperaturen klettern kaum über 10 Grad.

Im Sanatorium wird Kafka eine Schweigekur verordnet, die ihn dazu veranlasst, seine Gedanken in den sogenannten »Gesprächsblättern« festzuhalten. Sie ermöglichen Kafka die Kommunikation mit seiner Umgebung. Neben einigen Briefen sind die gut 40 dicht beschriebenen Blätter die einzigen schriftlichen Dokumente des Autors, die aus dieser Zeit noch existieren.

• 10 Mittwoch, 23. April 1924
        Josefine die Sängerin

Obwohl das Sanatorium in Kierling wesentlich günstiger ist als die vorherigen Aufenthaltsorte, bleibt das Thema Geld präsent. Trotz seiner guten Pension, die auf die Dauer nicht ausreichen wird und um nicht vollends von den Eltern abhängig zu werden, versucht er, so viele seiner Texte wie möglich zu publizieren. Seinen engsten Freund Max Brod bittet er, die zuletzt fertiggestellte Erzählung »Josefine die Sängerin oder Das Volk der Mäuse« Zeitschriften und Verlagen anzubieten.

• 09 Dienstag, 22. April 1924
        Felix Weltsch

Einer der ersten Besucher Franz Kafkas in Kierling ist sein enger Freund Felix Weltsch, der bereits seit dem 17. April in Wien ist. Nicht nur hat er sich an der Suche nach einem geeigneten Sanatorium für die Zeit nach Kafkas Aufenthalt im AKH beteiligt, auch nutzt er seine Kontakte, um Kafka die bestmögliche medizinische Betreuung zu sichern.

• 08 Montag, 21. April 1924
        Die Sorge der Eltern

Am zweiten Tag im Sanatorium Dr. Hoffmann geht es darum, sich einzurichten. Auch die Hilfe der Eltern, mit denen Franz Kafka und Dora Diamant in ständigem brieflichen Kontakt stehen, wird dabei in Anspruch genommen. Sie möchten nicht nur über den Gesundheitszustand des Sohnes informiert werden, sondern auch wissen, ob er alles hat, um im Sanatorium so angenehm wie möglich leben zu können.

• 07 Sonntag, 20. April 1924
        Sanatorium Dr. Hoffmann

In Kierling ist es am Ostersonntag 1924 kühl, es gibt keinen Niederschlag, die Tageshöchsttemperatur liegt bei 13 Grad.

Die Übersiedlung ins kleine Kierlinger Sanatorium ist wie eine Befreiung für Franz Kafka: Die Ruhe und Überschaubarkeit des kleinen Hauses sind geradezu eine Antithese zum Massenbetrieb im Spital, in das die an der Volkskrankheit Tuberkulose leidenden Städter drängen.

• 06 Samstag, 19. April 1924
        Ankunft in Kierling

Es ist kühl und trocken, Tageshöchsttemperatur 13 Grad.

Franz Kafka übersiedelt vom Wiener AKH in das kleine Sanatorium Dr. Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg, gerade 20 Kilometer von Wien entfernt.
Die Vorteile sind offensichtlich: Das Haus ist klein, es gibt höchstens 12 Patienten, die Kosten sind vergleichsweise gering und Dora Diamant kann im selben Haus wohnen.

• 05 Vorgeschichte, 4.Teil
        Wien, Universitätsklinik

Am 10. April kam Franz Kafka nach vierstündiger Autofahrt im offenen Wagen stark geschwächt im Wiener Allgemeinen Krankenhaus an. Der Aufenthalt gestaltete sich von Beginn an als schwierig, etwa konnte Dora Diamant nur stundenweise bei ihm sein.

• 04 Vorgeschichte, 3. Teil
        Der Kehlkopf

Aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustandes wurde Franz Kafka von seiner Familie zurück nach Prag beordert. Im Familienkreis wurde beratschlagt, in welches Sanatorium man ihn schicken solle. Man entschied sich schließlich für das luxuriöse Sanatorium Wienerwald in Feichtenbach, 70 km südlich von Wien gelegen.

• 03 Vorgeschichte, 2. Teil
        Herbst 1923, Berlin

Im Juli 1923 lernte Franz Kafka seine spätere Lebensgefährtin Dora Diamant bei einem gemeinsamen Urlaub mit seiner Schwester Ellie in Müritz an der Ostsee kennen. Dora Diamant und Franz Kafka verliebten sich ineinander und Kafka zog wenige Monate später zu ihr nach Berlin. Dora Diamant wird in Kafkas letzten Lebenswochen eine bedeutende Rolle einnehmen.

• 02 Vorgeschichte, 1. Teil
        Die Krankheit

Als Franz Kafka am 11. August 1917 erwachte, hatte sich sein Leben mit einem Schlag grundlegend verändert, er erlitt einen Blutsturz. Bald darauf wurde Tuberkulose diagnostiziert.
Die Symptome der Krankheit hielten sich anfangs in Grenzen, dennoch zog Kafka sich ab September 1917 zu seiner Schwester Ottla auf ein Landgut in Zürau zurück.

• 01 Prolog

Die letzten 46 Tage seines Lebens, vom 19. April bis zum 3. Juni 1924, verbrachte der Schriftsteller Franz Kafka in einem kleinen Sanatorium unweit von Wien und zwar in Kierling bei Klosterneuburg, begleitet und betreut wurde er von seiner Lebensgefährtin Dora Diamant. In dieser Folge stellen sich die Hauptfiguren einleitend in Form von Steckbriefen selbst vor.

Studio: Medienwerk.at MW e.U.

Coverbild: Österreichsiche Franz Kafka Gesellschaft unter Verwendung einer Stickgrafik von Ina Loitzl: ›Franz Kafka, Stickportrait‹, Schwarzer Faden in Papier, 2015

Idee und Konzept: Charlotte Aigner, Beatrix Erber und Manfred Müller
Geschrieben von Ursula Ebel, Nicole Kiefer, Manfred Müller, Ines Scholz und Magdalena Widhalm.
Mit besonderem Dank an Hans-Gert Koch und Reiner Stach, die uns unveröffentlichtes Material zur Verfügung gestellt haben.

Ein Podcast der Österreichische Franz Kafka Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der  Österreichische Gesellschaft für Literatur

Gefördert durch


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